Kalkulierter Zufall

Marita Damkröger

30. Juni 2022 bis 31. Dezember 2022

Quickinfo / Termine

  • Ausstellung von 30. Juni 2022 bis 31. Dezember 2022
  • Öffnungszeiten – werktags 10 – 18 Uhr
  • Ort: HUB31 und H31, Hilpertstr. 31, 64295 Darmstadt – Lounge, Flure – Anreiselink
  • Vernissage der Gemeinschaftsausstellung mit weiteren Künstlern am 30. Juni 2022 – 18:30 h – Programm, Anmeldung und Bilder siehe Gemeinschaftsseite

Blickt man auf das bisherige malerische Schaffen von Marita Damkröger zurück, dann fällt nicht zuletzt auf, wie ein breites Spektrum formaler und gestalterischer Mittel – Drippings, All Over, Hard Edge, Color Field Painting – fast spielerisch miteinander in Verbindung tritt. Trotz eines erkennbaren Strebens nach formaler Kohärenz und kompositorischer Ausgewogenheit werden Widersprüche, wie sie in der Betonung von Flächenhaftigkeit oder Raumtiefe, großflächiger Gesamtwirkung und sich herauslösendem Detail zwangsläufig entstehen, dabei ebenso wenig unterdrückt oder kaschiert wie das Aufeinanderprallen streng konstruktiver Planung und kalkulierter Zufallseffekte, etwa beim Herablaufen flüssiger Farbe.

Marita Damkrögers neue Serie großformatiger Aquarelle macht auf den ersten Blick einen deutlich koheränteren Eindruck. Hier sind nicht verschiedene formale Ansätze zusammengeführt, sondern über hundert transparente großflächige Farbschichten übereinander gelegt. Anders als bei der üblichen Aquarelltechnik fließt die Farbe nicht ineinander, sondern bleibt gleichsam in den einzelnen Schichten verschlossen. Deren starke Farbigkeit dämpft sich durch die Anzahl der übereinanderliegenden einzelnen Schichten subzessive ab. Das erinnert an die Möglichkeiten digitaler Bildprogramme, mit denen sich beliebig viele Layers übereinander setzen lassen und ihre jeweilige Transparenz genau programmiert werden kann. Diese verbinden sich nicht physisch miteinander, sondern bleiben stets separat wieder wegklickbar. So „einfach“ geht es in der Malerei und vor allem beim Aquarellieren nicht  Hier manifestiert sich  fast jede Spur dauerhaft sichtbar; Korrekturen sind nur selten möglich, wenn die Farbe direkt durch das Papier aufgesaugt wurde.. Indem Marita Damkröger es gelingt, die einzelnen Farbschichten gleichsam zu versiegeln, „überwindet“ sie herkömmliche Grenzen der Aquarelltechnik, macht aber gleichzeitig die Bedeutung der physischen Präsenz von Farbe und Bildträger deutlich, die bei Kreationen am Bildschirm fehlt, ebenso wenn man sie auf analogen Materialien ausdruckt. So tritt in der scheinbar größten Nähe zu Photoshop und anderen bei der Arbeit am Bildschirm eingesetzten Tools gerade der größte Unterschied zum Malen oder Zeichnen mit Farbe auf einem Bildgrund hervor: die immer auch körperlich spürbare Verbindung von Substanzen, bei der etwa ein Blatt Papier die auf ihn aufgetragene Farbe festhält und nicht mehr loslässt. Derart dauerhafte Beziehungen kann kein mit Hilfe des Computers hergestelltes Werk erzeugen, zumal schon das Trägermaterial, die Hadware, von begrenzer Lebensdauer ist. Sie entlässt das auf ihr „Eingezeichnete“ viel schneller in die ewigen Kreisläufe des natürlichen Verfalls als das scheinbar viel empfindlichere Papier, das auch nach Jahrhunderten die Aquarelle von Albrecht Dürer oder William Turner noch zu tragen vermag.                                                                                                                                                             Ludwig Seyfarth

 

Sie stellt gemeinsam mit weiteren Künstler:innen in der Gemeinsschaftsausstellung „EXPERIMENT *:- KONROLLIERTE ENTGLEISUNG“ vom 30.06.2022 bis 31. Dezember 2022 aus.  Zu den anderen Künstlern, zur Ausstellungseröffnung, Bildern davon, weiteren Informationen wie Lageplan, Begleitveranstaltungen über die Gemeinsschaftsseite

Marita Damkröger

Marita Damkröger,  geb. in Herford

Studium an der Gesamthochschule Kassel Kunstwissenschaft, Psychologie und Germanistik und dann an der Kunsthochschule Kassel Kunst und Germanistik (bei Prof. Barbara Hammann und Prof. Alf Schuler).

1997/98  Stipendium/Studium an der Faculdad de Bellas Artes, Salamanca, Spanien

2001 Abschluß in Freier Kunst; Meisterschülerin bei Alf Schuler

Förderung durch die Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung Kassel

2001 – 2009 Atelier in Berlin

2003 Lehrauftrag an der Universität Kassel

Seit 2010 lebt und arbeitet in Darmstadt

Vertreten in öffentlichen und privaten Sammlungen

www.brouwer-edition.com